Oskar * 08.06.2005 (Labrador-Retriever)
Oskar * 08.06.2005 (Labrador-Retriever)

"Tierheim adieu...."

Der 30. März 2007 sollte wieder einer dieser schönen Tage werden. Denn wir bekamen erneut Familienzuwachs. Dieses Mal sollte es allerdings kein Baby mehr sein, denn zwei davon zugleich, wäre doch wohl etwas stressig geworden. Lange schon haben wir hin und her überlegt, etliche Male haben wir uns die diversen Tierschutzverbände angeschaut und landeten doch immer wieder bei den Retrievern. Irgendwann dann in der letzten Märzwoche durchstöberten wir wieder die Homepage des Zollstocker Tierheims und wer lachte uns da an - ein 19 Monate junger Labbijunge. Kai und ich sahen sein Foto und es war um uns geschehen, auch seine Beschreibung schrie danach, dass wir mehr über den jungen Herren wissen mussten. Es vergingen drei weitere Tage, doch eigentlich stand die Entscheidung schon fest. Glücklicherweise war Freitag dann wieder der letzte Schultag vor den Osterferien, was bedeutete, das zwei Wochen Urlaub folgen würden. Kaum zu Hause angekommen, setzten wir uns beinahe wortlos ins Auto, vorsorglich hatten wir Ayka mitgenommen - man konnte ja nicht wissen, ob unser Baby vielleicht gleich noch eine alles entscheidende Meinung äußern müsste?!?

Als wir im Tierheim ankamen, haben wir Ayka erst noch im Auto gelassen und dann sind wir zielstrebig auf Labbi-Suche gegangen. In einem etwas versteckten Zwinger saß er dann und kam sofort wild wedelnd ans Gitter gelaufen. Ganz retrievertypisch freute er sich maßlos und wackelte dabei mit dem ganzen Hinterteil. Wir mussten nicht lange überlegen und unser Entschluss stand fest. Kai holte schnell Ayka aus dem Auto und die Freude war übergroß, sowohl bei den Hunden als auch bei Kai und mir. Die Zwei schleckten sich ab und hörten gar nicht mehr auf sich zu freuen. Da wir die Mitarbeiter des Tierheims inzwischen recht gut kannten, konnten wir sofort mit beiden eine Runde laufen und alles klappte prima - von der Tatsache, dass sein Zug in der Leine einen beinahe aus den Schuhen haute mal abgesehen ;-) Dank der netten Mitarbeiter konnten wir mit dem Wildfang auch noch einen Besuch im Katzenhaus abstatten, denn mit den kleinen Stubentigern musste er ja schließlich klar kommen. Seine Reaktion auf die Miezenn ließ unsere Freude beinahe überschäumen und es war nun klar, der junge Rüde würde bei uns ein neues zu Hause finden. Aufgrund der Tatsache, dass wir ja nun Urlaub hatten und die Tierheimmitarbeiter sowohl uns, als auch unser zu Hause bereits kannten, durften wir ihn tatsächlich sofort mitnehmen!

Ich weiß nicht, wer aufgeregter war, die Hunde oder Kai und ich - jedenfalls waren wir überglücklich und konnten es gar nicht glauben, dass er nun tatsächlich bei uns war. Bevor wir nach Hause fuhren, haben wir erst noch eine kleine Gassirunde mit den beiden gedreht. Es war schnell klar, dass "Thyson", so hieß er, keinerlei Komandos kannte, abgesehen davon reagierte er nicht annähernd auf seinen Namen. Das kam uns eigentlich entgegen, denn wir fanden seinen Namen weder schön, noch passend. Also wurde das wilde Bündel kurzerhand OSKAR getauft.

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Labrador dermaßen Kraft besitzt, vorallem wenn er nicht wirklich leinenführig ist und zieht, als wäre er zum ersten Mal in seinem Leben draußen, oh man - das ging mächtig in die Arme!!!

Auch wenn es eigentlich längerfristig geplant war, dass eine weitere Fellnase einziehen würde, ging es letztlich doch alles sehr schnell. Daher mussten wir noch flux Leine und Halsband, Näpfe und all den ganzen Kram besorgen. Futter brauchte er ja schließlich auch, denn Ayka bekam ja noch Welpenfutter. Irgendwann hatten wir dann alles erledigt und konnten endlich nach Hause fahren. Inzwischen hatten wir ja bereits ein großes Auto, so dass die Zwei nun gemeinsam im Heck des Kombis ihren, fortan gemeinsamen, Platz einnehmen konnten. Das klappte auch wunderbar, die Zwei saßen brav nebeneinander, so als wäre es nie anders gewesen. Stolz "wie Oskar" tuckerten wir vier nun endlich nach Hause.   

Im neuen zu Hause angekommen musste natürlich erst mal alles erschnuppert werden. Jeder Winkel der Wohnung wurde unter die Lupe genommen. Der junge ungestüme Herr stand noch völlig unter Strom, deshalb haben wir das Zusammentreffen mit seinen zwei Katzenschwestern zunächst verschoben und unsere beiden Stubentiger wieder im Schlafzimmer einquartiert. Oskar hatte Mühe zur Ruhe zu kommen. Er konnte kaum ruhig liegen bleiben und hatte uns ständig im Auge. Es dauerte nicht lange und es wurde deutlich, dass ihm seine Vorbesitzer nicht wirklich gut bekommen sind. Anscheinend machte er schlechte Erfahrungen mit Händen. So kam es auch schon am zweiten Tag zu einem weniger schönen Ereignis. Oskar meinte sich auf der Couch im Wohnzimmer breit machen zu können, also streckte ich, völlig unüberlegt, die Hand in seine Richtung, um ihm den Weg nach unten zu weisen – da passierte es! In Bruchteilen von Sekunden schnappte er zu. Geistesgegenwärtig packte ich ihn und warf ihn rückwärts auf die Couch und brummte ihn bedrohlich an. Mir wurde heiß und kalt zugleich, da ich diese Reaktion nicht erwartet hatte. Als er langsam wieder ruhiger wurde, ließ ich ihn los und schickte ihn, auf seinen ihm zugewiesenen Platz. Da erst bemerkte ich, dass Oskar meinen Finger übel erwischt hatte, es blutete heftig. Der arme Kerl lag sehr eingeschüchtert der Länge nach auf seinem Platz und bewegte sich keinen Zentimeter. Ich musste zunächst meinen Finger versorgen, den nun eine ordentlich klaffende Wunde zierte, die nicht aufhören wollte zu bluten. Trotzdem war ich ihm nicht eine Sekunde lang böse, denn erstens habe ich völlig unüberlegt gehandelt und der arme Kerl hatte es ja anscheinend nicht anders gelernt seinen Willen durch zu setzen. Von diesem Moment an, war er mir gegenüber wie ausgewechselt. Kai hatte eine ähnliche Situation mit ihm auf der Strasse und musste dort mit vollem Körpereinsatz zeigen, wer in der Rudelordnung oben und unten steht.

Oskar ist seitdem völlig entspannt, denn er hat gelernt, dass er einfach nur Hund sein darf und seine Führungsrolle, die er nicht gerne innehatte, abgeben konnte.

Dank Ilona, unserer Hundetrainerin, haben wir sehr viel mit ihm gearbeitet und haben jede Menge gelernt, sowohl Oskar, als auch wir Menschen. Oskar entwickelte sich von Tag zu Tag besser und er wurde immer ausgeglichener. Allerdings stand eine wichtige Sache noch an. Da unser Baby ein Mädchen ist und Oskar ein Junge musste ein wichtiger Schritt erledigt werden, da wir nicht vorhatten Welpen zu bekommen. Nach knapp zwei Wochen musste unser Flegel nun also unters Messer und seit dem 11.04.07 hat sich die Welpenplanung dann erledigt, dennoch ist unser kleiner Macho ein ganzer Kerl, auch wenn manche „Männer“ da ein tiefenpsychologisches Problem mit haben :-)

 

Zwischenzeitlich hat er natürlich auch unsere Miezen kennen gelernt und auch er lernte schnell, dass die zwei Damen sich nichts gefallen lassen, er kapierte schneller, als ihm lieb war, das er bei den beiden „Kampftigern“ keine Schnitte hat.

 

Schon wenige Wochen nach seiner Kastration wurde er immer entspannter, dennoch weder träge oder lustlos. Auch das Ammenmärchen vom "dicker werden" können wir nicht bestätigen. Es dauerte gut zwei Monate bis er richtig „angekommen“ war. Es war wunderbar zu beobachten, wie er sich jeden Tag wohler fühlte und sehr bald wusste, wo sein zu Hause ist. Mein Finger war inzwischen lange wieder verheilt und inzwischen ist eine solche Situation undenkbar. Wir alle haben viel dazu gelernt und es ist kaum vorstellbar, dass unser großer Bär einmal nicht bei uns war. Für nichts in der Welt würden wir ihn wieder hergeben.

 

Man könnte fast meinen, dass er jeden Tag aufs Neue seine Dankbarkeit zeigt, ständig trägt er seine Spielzeuge hinter uns her und wenn er sich freut, kann er mit seinem ganzen Hinterteil wackeln. Oskar ist, genau wie unsere Ayka, einfach ein Traumhund und es gibt für uns nichts Schöneres als unsere Vier jeden Tag zu erleben und mit ihnen zusammen sein zu dürfen.

 

Seine größte Leidenschaft ist das Wasser. Stundenlang apportiert er alles, was man ihm ins kühle Nass schmeißt. Er hat beinahe ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn er Wasser auch nur wittert. Keine Pfütze kann er auslassen und wir lassen ihm den Spaß – wozu gibt es Handtücher?! Er brachte sogar unserer anfangs wasserscheuen Maus den Spaß am Baden näher und er lässt sich immer wieder gerne alles von Ayka klauen, was er stolz aus dem Wasser anschleppt (was auf sämtlichen Fotos zu sehen ist).

 

Wir sind wirklich stolz auf ihn, ein bisschen auch auf uns, denn in den knapp 6 Monaten, in denen er nun bei uns ist, hat er sich zu einem tollen Hund entwickelt. Alle Kommandos beherrscht er prima, er lernt gerne und schnell und wir haben jede Menge Spaß dabei.

 

Letztlich sind wir seinen „tollen“ Vorbesitzern dankbar, dass sie ihn nicht mehr haben wollten, sonst wäre er nie zu uns gekommen.

 

Wenn wir eins gelernt haben, dann ist es, dass es sich immer wieder lohnt ein Tier aus dem Tierschutz zu sich zu nehmen. Sie sind es wert und sie haben es mehr als verdient!!!

 

Oskar, wir sind dankbar, dass du bei uns bist!!!

 

Bildergalerie